Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zuckerkrankheit und Grauem Star?

Patient mit Grauem Star, Foto: Tierklinik Rostock
Patient mit Grauem Star, Foto: Tierklinik Rostock
Patient mit Grauem Star nach der OP, Foto: Tierklinik Rostock

Bei unserem sechsjährigen Huskymix Juna wurde eine Zuckererkrankung diagnostiziert. Wir messen ihre Blutzuckerwerte, geben ihr das verordnete Insulin nach Anweisung und sie erhält regelmäßig ihre Mahlzeiten. Außerdem gehen wir viel mit Juna spazieren. Wir denken, das haben wir alles gut im Griff. Nun haben wir gehört, dass die Gefahr besteht, Juna könnte in diesem Zusammenhang an einem Grauen Star erkranken. Stimmt das? Marion W., Warnemünde

Sehr geehrte Frau W.,
Ihre Befürchtungen sind begründet. Der Zuckerkrankheit folgt früher oder später ein Grauer Star. Die Zusammenhänge sind gut bekannt: Als Folge des erhöhten Zuckergehaltes im Blut reichert sich auch das Kammerwasser des Auges mit einem höheren Gehalt an Zucker an. In dem Kammerwasser schwimmt die Linse wie ein Goldfisch im Glas. Die hohe Zuckermenge überfordert den Abbau. Der Zucker bzw. Stoffwechselprodukte, die aus dem Zuckerabbau anfallen, lagern sich in der Linse ab. Sie quillt und trübt sich.

Bei einer ophthalmologischen Untersuchung unterscheiden wir genau, ob es sich bei der Linsentrübung um eine altersbedingte Verdichtung (Sklerose) handelt oder ob sie eine krankhafte Veränderung darstellt. Außerdem erkennen wir verschiedene Stadien des Grauen Stars. Im Anfangsstadium zeigen sich zunächst nur kleine getrübte Bereiche und der Hund kann noch normal sehen. Ist die Linse vollständig getrübt, verdeckt sie den Augenhintergrund und der Hund ist erblindet. Die Patienten sind meistens orientierungslos, laufen gegen Möbel und wirken sehr unsicher. Wird dem Tier in diesem Stadium immer noch nicht geholfen, kann es sein, dass das veränderte Linseneiweiß zu einer schmerzhaften Augenentzündung führt. Das Auge sieht dann rot aus.

So weit darf und muss es nicht kommen. Ich empfehle Ihnen, Juna bei den ersten Anzeichen einer Linsentrübung vorzustellen. Der Graue Star ist nicht aufzuhalten. Es gibt kein Medikament dagegen. Trotz aufmerksamster Behandlung des Diabetes wird es Ihnen nicht gelingen, die Anreicherung der Zuckerstoffe in der Linse zu verhindern. Zu gegebener Stunde ist es ratsam, den Grauen Star zu operieren. Desto eher die Operation erfolgt, desto besser. Bei Juna können dann neue Linsen eingesetzt werden. Damit erhält sie ihr Augenlicht zurück und Sie bewahren Juna vor Schmerzen.

Nicht jeder Hund ist ein Kandidat für eine erfolgreiche Katarakt-Operation. Sollte es aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, zu operieren und ihm die Sehkraft wiederzugeben, ist es unbedingt erforderlich, seine Schmerzen und Entzündungen zu behandeln.

Die geschilderten Zusammenhänge treten in der Praxis recht häufig auf. Bei jedem Patienten, der mit einem Grauen Star vorgestellt wird, sichern wir mit einem Blutcheck ab, ob ein Diabetes vorliegt oder nicht.

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