Hat mein Hund eine Futtermittelallergie und wie ist sie zu behandeln?

Hat ein Hund starken Juckreiz, ist oft eine umfangreiche Diagnostik nötig.
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Ich habe eine wunderschönen weißen kanadischen Schäferhund , der Fred heißt. Er ist 6 Jahre alt und juckt und kratzt sich wie verrückt. Meine Freundin sagte, es sei eine Futtermittelallergie und ich solle Fred vegetarisch füttern. Stimmt das? Was soll ich tun? Peter H. aus Warnemünde

Sehr geehrter Herr H.,
zuerst muss Fred beim Tierarzt gründlich untersucht werden. Es ist zu klären, was Fred wirklich fehlt. Juckreiz kann neben Allergien gegen Futtermittel auch viele andere Ursachen haben wie Milben, Pilze und andere Parasiten, infektiöse Hautentzündungen, Allergien gegen Stäube, trockene Haut oder eitrige Ausschläge. Es können auch mehrere Ursachen gleichzeitig auftreten. Daher ist die Diagnose bei Fred und anderen Patienten sehr anspruchsvoll und zeitintensiv.

Es ist nicht so einfach, eine Allergie nachzuweisen.

Eine Allergie ist eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems. Wie ein Amoklauf. In normalerweise akzeptablen und harmlosen Eiweißbestandteilen aus Futter, Natur und Umgebung sieht es plötzlich Angreifer, die heftig bekämpft werden. Die häufigsten Allergien bei Hunden sind die Flohbissallergie und die Atopische Dermatitis, eine Allergie gegen Pollen, Schimmelpilze, Hausstaubmilben oder andere Partikel, die über die Haut bzw. über die Schleimhaut aufgenommen werden. An dritter Stelle folgt die Futtermittelallergie.  Verschiedene Tests helfen, dem verursachenden Allergen auf die Spur zu kommen. 

Der Bluttest, bei dem der IgE-Spiegel im Blut gemessen wird, ist in seiner Aussage äußerst ungenau. Eine hohe Trefferquote zeigt der Intrakutantest. Hier spritzt der Tierarzt die Allergene in die oberste Hautschicht und beobachtet die Reaktion. Einer Futtermittel-Allergie rückt man am besten mit einer Ausschlussdiät zu Leibe. Hierbei werden alle Nahrungsbestandteile vermieden, die für die Erkrankung verantwortlich sein könnten. Als strikte Diät werden Zutaten verabreicht, mit denen der Patient noch keinen Kontakt hatte wie Strauß, Pferd, Känguru, Wild, Kartoffeln. Um ein aussagefähiges Resultat zu erzielen, muss die Ausschlussdiät mindestens 40 bis 60 Tage lang durchgeführt werden. Das ist eine große Herausforderung für Sie und Ihre Familie, denn Fred darf in dieser Zeit natürlich auch keine anderen Bissen wie Leckerlis oder Kauknochen bekommen. Der Lohn für Ihre Konsequenz zeigt sich, wenn in dieser Zeitspanne der Juckreiz oder andere Symptome deutlich abklingen. Das wird als der Beweis für eine futtermittelbedingte Allergie oder Unverträglichkeit betrachtet. Bessert sich nun der Zustand des Patienten eindeutig, kann die Diagnose durch eine Provokationsdiät abgesichert werden. Hierzu verabreicht man erneut den vermutlichen Auslöser wie z.B. Rindfleisch und provoziert dadurch den nochmaligen Ausbruch des Juckreizes. Meist geschieht dies in innerhalb von drei Tagen. Diese Information ist sehr nützlich wenn es um die Planung einer „normalen“ Fütterung für Fred geht.

Da Allergien nicht heilbar sind, besteht das Mittel der Wahl in der Vermeidung der auslösenden Allergene. Trotzdem muss die Ration den Bedarf an allen Nährstoffen decken und ausgewogen sein. Als häufige Auslöser für Futtermittelallergien sind Rind- und Schweinefleisch, Eier, Milch, Weizen, Mais und Soja bekannt. In der Praxis reicht es manchmal, dem Hund ein kommerzielles Produkt anzubieten, das frei von allergenem Potential ist - in diesem Beispiel müsste es frei von Rindfleisch sein -  wie ein reines Lamm-Reis-Produkt. Bei komplizierteren Fällen ist es nötig, spezielle Diäten beim Tierarzt zu erwerben, die der Hundeorganismus noch nicht kennt. Oder spezielle hydrolisierte Sorten, bei denen die Aminosäuren so stark zerkleinert wurden, dass die Immunabwehr sie nicht mehr als Angreifer identifiziert. Sie sehen, Fred kann trotz einer eventuellen Futtermittel-Allergie vollwertig und sicher ernährt werden.

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