Hüftgelenksdysplasie - was kann ich tun?

Vor 18 Monaten habe ich eine Deutsche Schäferhündin Quenta von einem bekannten Züchter gekauft. Er fand es wichtig, die Hündin auf HD röntgen zu lassen. Das habe ich nun auch getan mit dem Ergebnis, dass bei ihr HD festgestellt wurde. Das verstehe ich nicht, denn die Hündin läuft, springt und bewegt sich meiner Meinung nach völlig normal. Marion S., Rostock

Liebe Frau S.,
Ihre Sorgen und Fragen über die Diagnose Hüftgelenksdysplasie (HD) sind verständlich. Denn nach wie vor ist die HD beim Hund nicht heilbar. Trotzdem gibt es einige vorbeugende Maßnahmen, die ich Ihnen dringend empfehle, um die Lebensqualität Ihrer Hündin Quenta zu erhöhen.

Zuerst sollten Sie sich jedoch bewusst machen, dass es sich bei Quentas Diagnose um eine rein röntgenologische Aussage handelt. Hüftkopf und Pfanne passen nicht so ideal zusammen, wie es bei einem gesunden Hund zu erwarten ist.

Die HD ist eine bei allen Hunden, insbesondere aber bei großwüchsigen Rassen vorkommende erbliche Skeletterkrankung. Neben der erblichen Veranlagung beeinflussen verschiedenen Umweltfaktoren wie Haltung, Fütterung und Training (zu etwa 40%) wie stark die HD ausgeprägt wird. Durch die Instabilität des Hüftgelenks wird der Knorpel geschädigt, und aufgeraut. Hier treten leicht Entzündungen auf. Diese machen sich beim Hund als Schmerzen bemerkbar. Er wird durch Lahmen versuchen, seine Gelenke zu schonen. Obwohl HD sehr häufig vorkommt (bis zu 74% der Hunde einiger Rassen) zeigen die meisten Betroffenen keine bzw. erst im höheren Alter Lahmheiten. Typischerweise gehen die Patienten „watschelnd“ und stellen sich x-beinig auf. Das Aufstehen und beliebte Aktivitäten werden immer schwieriger. Durch die Schonhaltung bildet sich die Muskulatur der Hinterhand zurück. 

Ob, wann und in welchem Maße Ihre Quenta Beschwerden haben wird, kann niemand vorhersagen. Dennoch ist der weitere Verlauf bedeutend günstiger, wenn Sie mit Ihrem Tierarzt eine geeignete Behandlungsstrategie besprechen, die folgende Methoden berücksichtigen sollte:

  1. Regelmäßige Gewichtskontrolle

Gerade bei jungen Hunden gilt es, ein zu schnelles Wachstum und zusätzliche Gewichtsbelastungen der Gelenke zu vermeiden. Ein möglichst geringes Gewicht (etwa 10% unter dem Normalgewicht) ist ein wichtiger Beitrag für die Schonung der Gelenke. Der regelmäßige Gang zur Waage informiert Sie über Ihren Erfolg im konsequenten Umgang mit Quentas Futter. Natürlich muss sie mit einer vollwertigen bedarfsgerechten Hundenahrung versorgt werden. Das erübrigt die zusätzliche Verabreichung von Kalziumpräparaten. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn ein optimales Kalzium-Phosphor-Verhältnis ist entscheidend für die Knochen- und Gelenkgesundheit.

  1. Gezielter Muskelaufbau

Um die normale Hüftgelenksfunktion zu unterstützen, muss die Muskulatur der Hinterhand gestärkt und gezielt gefördert werden. Sind die Muskeln gut entwickelt und trainiert, bieten sie dem Gelenk Festigkeit, halten Hüftkopf und Pfanne fest zusammen und entlasten Knorpel und Bänder. Ausgebildete Tierphysiotherapeuten zeigen Ihnen spezielle Bewegungsprogramme, die die entsprechenden Muskeln stärken. Sie können sie in Ihren normalen Tagesablauf mit Quenta integrieren, da sie ständig geübt werden müssen.

      Besonders effektiv ist das Training im Wasser. Dabei werden die Gelenke entlastet, gleichzeitig        wird enorm viel Muskelkraft für die Bewegung benötigt. Gleichmäßiges, ruhiges Schwimmen wirkt sich sehr positiv auf den Rücken und Gliedmaßen aus. Aber auch das Laufen auf dem Unterwasserlaufband bringt den Hunden viel Freude und erlaubt gezielten Muskelaufbau durch die verstellbare Wasserhöhe.

  1. Gelenkschutz durch Nahrungsergänzungsmittel

Die Verabreichung sogenannter Chondroprotektiva hat einen positiven Einfluss auf Hunde, die unter Knorpelschäden leiden. Das sind Substanzen wie Muschelextrakte mit entzündungshemmenden Fettsäuren und Glykosaminoglykane, die den Gelenkknorpel unterstützen. Lassen Sie sich von uns beraten.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es immer die Kombination mehrerer vorbeugender Maßnahmen ist, die Erfolge bringt. Sollte Quenta trotz all Ihrer Aktivitäten Anzeichen einer Arthrose zeigen, sollten Sie mit Ihrem Tierarzt besprechen, wie Sie langfristig ihre Schmerzen bekämpfen.

Letztendlich gibt es auch verschiedene operative Methoden, die abgewogen werden sollten und dem Tier langfristig helfen können. Dazu zählen Muskel- und Nervenschnitte, das Einsetzen eines neuen Hüftgelenkes oder die Entfernung des Oberschenkelkopfes.

Welche Behandlungsmethode für jedes einzelne Tier die richtige ist, kann nur im konstruktiven Gespräch zwischen Tierarzt und Hundebesitzer geklärt  werden. Viele Faktoren wie Alter, Kondition, Grad der HD und die Ausprägung der Symptome entscheiden über das weitere sinnvolle Vorgehen. So lässt sich für fast jedes Tier ein Therapieplan erstellen, mit dem es dem Liebling noch lange Zeit gut geht. Die verantwortungsvolle Arbeit der Züchter und Verbände trägt maßgeblich dazu bei, die HD in den einzelnen Rassen wirkungsvoll zu bekämpfen.

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