Ist mein Hund zu dick?

Dieser Hund befindet sich in einer ausgezeichneten Kondition.
Hier fehlt das kritische Augenmaß des Besitzers.

Unsere Retrieverhündin Cora ist 3 Jahre alt und macht uns viel Freude. Neulich meinte meine Bekannte, Cora hätte etwas zu viel auf den Rippen. Das finde ich gar nicht, denn wenn Cora auf der Seite liegt, sieht sie sehr schlank aus. Außerdem täuscht das wuschelige Fell natürlich etwas. Wie stelle ich nun am besten fest, ob Cora zu dick oder zu dünn ist?
S. Machnow, Bentwisch

Liebe Frau Machnow,

in der Tat ist es nicht immer einfach, optisch genau zu erfassen, ob ein Hund zu dick oder zu dünn ist. Gerade wenn man ein Tier jeden Tag sieht, fallen kleine Veränderungen nicht so stark ins Auge. Wir nutzen deshalb ein sogenanntes Body condition scoring, also eine Bewertungstabelle, nach der die Kondition des Hundes eingeschätzt wird. Dabei schauen wir nicht nur, sondern fühlen und tasten vor allem, ob sich unter dem Fell Muskeln oder Fettpölsterchen befinden. Diese Beurteilung findet am stehenden Hund statt, denn im Liegen ist das Mogeln leichter. Wer von uns freut sich nicht in Rückenlage über seinen flacheren Bauch?

Die beste objektive Auskunft über das Gewicht gibt uns natürlich die Waage. Es ist vorteilhaft, seinen Hund regelmäßig zu wiegen, um eventuelle Abweichungen rechtzeitig festzustellen. Bei kleinen Rassen ist es sehr einfach, sich gemeinsam mit seinem Hund auf die Waage zu begeben und dann sein Eigengewicht zu subtrahieren. So ermitteln Sie den genauen Wert des kleinen Schatzes. Bei Cora oder anderen größeren Rassevertretern nutzen Sie gern die Waage Ihres Tierarztes. Mit etwas Geduld gewöhnen sich die Vierbeiner schnell an die kurze Wiegeprozedur.

Wenn die Ursachen für eine Gewichtszunahme nicht ernährungsbedingt sind, kann die regelmäßige Gewichtskontrolle frühzeitig wichtige Hinweise auf Organerkrankungen z.B. der Schilddrüse oder der Nebenniere geben.

Ich schätze es sehr, dass Sie so kritisch mit Coras Gewicht umgehen. Immer häufiger werden wir in der Klinik mit den sogenannten Wohlstandskrankheiten unserer Vierbeiner konfrontiert. Es ist wunderbar, dass sich der Hund in den letzten Jahrzehnten einen Platz als Familienmitglied erobert hat. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass er auch wie ein putziger, fellüberzogener Mensch behandelt wird.

In Deutschland sind derzeit schätzungsweise 30 bis 40% aller Hunde übergewichtig! Das heißt, etwa jeder dritte Hund wird falsch ernährt! Die Ursachen sind bekannt: Wer zuviel futtert und sich zu wenig bewegt, setzt Fett an, egal ob Zwei- oder Vierbeiner. Im Gegenteil zu uns Menschen können jedoch die wenigsten Hunde selbst entscheiden, was und wie viel sie fressen und wie lange sie draußen toben. Die Verantwortung, ob der Hund dick wird, trägt der Hundehalter!

Manch ein Hundebesitzer hat es leichter als der andere. In bestimmten Rassen z. B. beim Labrador, Beagle, Cocker Spaniel oder Basset tritt die Fettsucht häufiger auf als in anderen, z.B. beim Greyhound, Deutschen Schäferhund oder Yorkshire Terrier.

Einige Hunde passen ihre Futteraufnahme dem Energiegehalt des Futters an. In Untersuchungen wurden die Tiere bei freier Futteraufnahme auf eine hochkonzentrierte Nahrung umgestellt. Setter fraßen dann ihrem Bedarf entsprechend weniger. Die Beagle bemerkten offensichtlich keine Unterschiede in der Energiekonzentration. Sie nahmen weiterhin die gleiche Futtermenge auf und setzten damit mehr Fett an.

Die Folgen sind dramatisch: durch das Übergewicht plagen sich die Hunde vor allem mit Kurzatmigkeit, Gelenkbeschwerden und -schmerzen, Herzleiden, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit. Fette Hunde leiden häufiger an chronischen Erkrankungen. Durchschnittlich sterben sie zwei Jahre früher als ihre normalgewichtigen Freunde.

Da lohnt sich der Kampf gegen die ursprünglich sehr sinnvoll angelegten Energiereserven. Weniger Kalorien, mehr Bewegung. Dafür müsste der Hundebesitzer jedoch erst einmal erkennen, wie gefährdet sein Fellöhrchen ist. Studien belegen, dass ein großer Teil der befragten Herrchen und Frauchen von übergewichtigen Heimtieren behauptete, ihre Tiere seien "gerade richtig."

So leicht sich das Diätprogramm anhört, in der Realität scheitert es meistens an den alten Gewohnheiten. Selbst entschlossenen Hundehaltern fällt es schwer, das bis in die Perfektion praktizierte Betteln der Schwarznasen zu ignorieren. "Wenn ich ganz besonders drollig schaue, bekomme ich einen Leckerbissen", dieses Erfolgskonzept verstehen alle Hunde. Wer seine Mensch-Tier-Kommunikation darauf reduziert, hat verloren. In Studien ergaben sich keine Unterschiede, ob die dicken Hunde mit Fertignahrung oder hausgemachten Rationen ernährt wurden. Vor allem wurden sie bedeutend häufiger gefüttert. Und sie erhielten viel mehr Tischabfälle. Bei der Zubereitung der Speisen waren sie häufig in der Küche anwesend was sich für die Hunde in Form von Restehäppchen auszahlte. Diese Disziplinlosigkeit zeigte sich auch in anderen Haltungsbereichen. Die übergewichtigen Hunde wurden weniger ausgeführt und bewegt. Sie erfüllten weniger Aufgaben und spielten nicht so viel.

Viele Hundehalter unterschätzen, dass sie den Vierbeiner statt des feinen Bissens genau so wunderbar mit Bällchen oder anderem geliebten Spielzeug belohnen können.

Möchten Sie Ihrem Tier zur Idealfigur verhelfen, sprechen Sie mit uns. Neben einem Diät- und Bewegungsplan werden wir Ihnen konkrete Vorschläge für einen leichteren Umgang mit Bellos Appetit machen.

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