Kann mein Hund fernsehen?

Mit meinem Nero lebe ich allein in meiner Wohnung. Abends machen wir es uns oft auf der Couch vor dem Fernseher gemütlich. Ich habe den Eindruck, dass er diese Zeit sehr schätzt. Nun habe ich dazu folgende Frage: Können Hunde wirklich Fernsehen schauen? Brigitte F., Rostock

Liebe Frau F.,
rein theoretisch kann Nero  Fernsehen schauen. Aber sicher nicht  in dem Sinne wie wir es tun. Primaten und Menschen haben sich im Laufe der Evolution zum „Augentier“ entwickelt. Die Erlebniswelt des Hundes ist vor allem durch Gerüche und Hörsignale bestimmt. Vielleicht haben Sie auch schon mal beobachtet, wie ein Hund an einem  deutlich sichtbaren Suchobjekt vorbeigelaufen ist weil der Wind von der falschen Seite kam?

87% aller amerikanischen Hundehalter sind davon überzeugt, ihre Hunde würden fernsehen. Viele Besitzer berichten über ihre Hunde, dass sie Fernsehsendungen völlig ignorieren. Andere erzählen, wie gefesselt die Hunde von Fernsehereignissen sind.

Die Fähigkeit zu sehen hat sich bei den Hunden im Laufe der Jahrhunderte  durch seine Lebensweise entwickelt und angepasst. Züchterische Faktoren spielen auch eine Rolle. So haben Collie und Mops durch die unterschiedliche Anordnung der Augen auch ein unterschiedliches Gesichtsfeld.

Inzwischen ist der Sehsinn des Hundes sehr gut untersucht. Obwohl Hunde uns nicht antworten können, glauben wir recht gut zu wissen, was und wie Hunde sehen. Früher ging man davon aus, dass Hunde nur „schwarz- weiß“ sehen können.  Heute wissen wir, dass sie sehr wohl Farben erfassen können. Da Hunde und Menschen jedoch unterschiedlich mit Farbrezeptoren ausgestattet sind, wird ein Hund die Welt eher wie ein Mensch mit Rot-Grün-Blindheit sehen.

Außerdem sehen Hunde undeutlicher und ungenauer als wir Menschen. Seine Sehschärfe ist etwa 6-fach geringer als beim Menschen. Trotzdem kann er erfolgreich jagen und sich hervorragend orientieren. Er braucht dafür ja keine Zeitung lesen. Die Sehleistung der Hunde sollte  weder als  besser noch schlechter betrachtet werden, sondern als anders und damit für seine Lebensverhältnisse sehr vorteilhaft.

Ein weiterer Unterschied zwischen Menschen- und Hundeauge besteht darin, dass der Augenhintergrund beim Hund „verspiegelt“ ist. Hier befindet sich eine besondere Schicht, das sogenannte Tapetum lucidum. Sie reflektiert das einfallende Licht, so dass es ein weiteres Mal auf die Lichtrezeptoren fällt. Daher können Hunde in der Dämmerung viel besser sehen als wir Menschen. Vielleicht haben Sie diese Schicht schon einmal als Leuchten in der Dunkelheit bemerkt, wenn Licht auf die Augen von Hund oder Katze fällt.

Hunde müssen Bewegungen viel besser  wahrnehmen. Sie haben eine andere Flickerfrequenz als wir Menschen. Die Flickerfrequenz bezeichnet die Häufigkeit, in der ein Bild im Auge auf- und abgebaut wird. Bei uns  Menschen beträgt sie ca. 50 Hz. Das Bild auf einem normalen Fernsehschirm wird ca. 50 mal pro Sekunde auf- und abgebaut. Das gibt uns die Illusion, kontinuierlich Bilder, Bewegungen etc. zu verfolgen. Der Hund hat jedoch eine höhere Flickerfrequenz, nämlich von 75 Hz. Er bräuchte eine Wiederholfrequenz von ca. 75 mal pro Sekunde. Unser Fernsehbild ist ihm also zu langsam. Es flimmert für ihn in vielen Einzelbildern. Sie müssen sich das wie einen alten Film vorstellen, der zu langsam abgespielt wird.

Für Hunde wirkt das schnelle Flimmern auf dem Bildschirm wenig real. Deshalb reagieren so viele Hunde nicht auf den TV.  Einige Vierbeiner finden interessanterweise  Hunde spannend, die sich auf dem Bildschirm bewegen. Jedoch zeigten sie kein Interesse bei Trickfilmhunden. Hier sind die Bewegungen offensichtlich zu unecht, um die Neugier der Hunde zu wecken.

Für Hunde ist viel entscheidender, wie die geliebten Frauchen und Herrchen mit den Fernsehsendungen umgehen. Hunde sind Meister im Erfassen von Stimmungen und Emotionen. Wenn Ihnen ein TV-Drama die Tränen in die Augen treibt wird Nero vielleicht versuchen, Sie zu beruhigen oder abzulenken. Mir ist z.B. eine Hündin bekannt, die sich bei Fußballreportagen aus dem Zimmer schleicht, weil sie die zu erwartenden Schimpftiraden und Wutausbrüche ihres Herrchens nicht ertragen kann.

Liebe Frau F., auch wenn Nero Ihre Leidenschaft für bestimmte Sendungen wahrscheinlich nicht teilt, so ist das abendliche Fernsehritual sehr willkommen bei ihm. Solange die Platzverhältnisse von Ihnen diktiert werden, gibt es  ihm viel Geborgenheit und Sicherheit.

 

 

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