Mein junger Hund hat wiederkehrenden Durchfall - Giardien?

In Pfützen überleben Giardien gern und lange.
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Unser junger Labrador Kenny macht uns viel Freude. Er lernt viel und hört schon ganz gut auf verschiedene Kommandos. Nur seine Verdauung macht uns mächtig zu schaffen. Ständig müssen wir mit Durchfall rechnen. Offensichtlich verträgt er sein Futter nicht. In den sechs Monaten, die er bei uns ist, haben wir schon 4 x die Sorten gewechselt, aber nichts bekommt ihm langfristig. Er sieht mittlerweile sehr mager aus und dem Fell fehlt der Glanz. Peter K., HRO

Lieber Herr K.,
ich verstehe Ihre Situation sehr gut. Durchfall ist eine unangenehme Angelegenheit und stellt manchen Hundehalter auf eine große Geduldsprobe. Ich rate Ihnen dringend, mit einer Kotprobe von Kenny Ihren Tierarzt aufzusuchen. Das Krankheitsgeschehen, das Sie schildern, weckt den Verdacht eines Darmparasitenbefalls, wahrscheinlich einer Giardiose.

Giardien sind winzige einzellige Geißeltierchen. Sie kommen weltweit im Darm zahlreicher Säugetiere (auch beim Menschen) vor. Giardien zählen neben den Spulwürmern zu den am häufigsten vorkommenden Parasiten bei Hund und Katze. Bei den meisten erwachsenen Hunden, die ein hervorragend funktionierendes Abwehrsystem besitzen, verschwinden die Giardien nach kurzer Zeit wieder von selbst. Erwachsene Katzen und Hunde zeigen fast nie Krankheitserscheinungen und fühlen sich offensichtlich gut.

Bei Welpen und Junghunden rufen die Giardien jedoch einen übelriechenden, hartnäckigen, immer wiederkehrenden oder chronischen Durchfall hervor. Die Kotbeschaffenheit variiert von wässrig bis pastenartig. Hat die Hinterlassenschaft von Kenny eine helle Farbe? Haben Sie schleimige, blutige Beimengungen entdeckt? Manchmal verbessert sich der Durchfall für einige Tage, dann kommt es wieder zu einem Rückfall. Oft wird das Geschehen von unangenehmen Blähungen und Erbrechen begleitet.

Die Giardien heften sich mit ihrer Saugscheibe an die Darmschleimhaut an. Diese wird geschädigt, die Nährstoffe können nicht mehr ausreichend absorbiert werden. Dem Junghund fehlen wichtige Aufbaustoffe, er kann sich nicht voll entwickeln, magert ab. Das Fell wird stumpf, manchmal folgen sogar Hautentzündungen. Der Appetit ist bei den betroffenen Tieren nicht eingeschränkt. Sie nehmen die angebotene Nahrung gern an, wobei kohlenhydratreiche Futtermittel die Symptome verstärken. Daher verdächtigen die Hundehalter gern das Hundefutter als Ursache.

Der Tierarzt wird die Giardien im Kot von Kenny nachweisen. Entweder im Mikroskop oder im sogenannten Antigentest. Da der Erreger aber nicht regelmäßig ausgeschieden wird, muss die Untersuchung eventuell wiederholt werden.

Zur Behandlung erhält Kenny ein spezielles Parasitenbekämfungsmittel mit Wirkstoffen wie Fenbendazol oder Metronidazol über 3 bis 5 Tage. In größeren Beständen müssen alle Tiere einbezogen werden. Die Aussichten, dass Kenny schnell wieder gesund wird, sind sehr gut. Im hartnäckigen Falle muss die Wurmkur wiederholt werden. Damit sich Kenny nicht wieder so schnell mit Giardien anstecken kann, empfehle ich Ihnen und allen Katzen- und Hundehaltern wichtige begleitende Hygienemaßnahmen:

-Trockenlegung von feuchten Ausläufen und Zwingern, da die Giardienzysten besonders lange in kühler, feuchter Umgebung infektiös bleiben

-befallene Flächen, Boxen etc. müssen mit einem Dampfstrahlgerät heiß gereinigt und gründlich abgetrocknet werden, anschließende Desinfektion

-Katzentoiletten sind täglich zu reinigen

-frischer Kot ist regelmäßig zu beseitigen, Entsorgung in Plastiktüten über den Hausmüll

-jegliche Kontamination mit Futter oder Trinkwasser ist zu vermeiden

-gründliche, kochend heiße Reinigung kontaminierter Gegenstände (Näpfe, Spielzeug, Decken etc.)

-Shampoonieren betroffener Hunde

Auch der Mensch ist für Giardien empfänglich. Indem Sie gründliche Sauberkeit halten, schützen Sie Kinder und immungeschwächte Menschen vor möglichen Infektionen. 

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