Meine Katze ist zuckerkrank - was tun?

Wenn eine Katze zu viel trinkt, kann das ein Hinweis auf die Zuckerkrankheit sein.
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Bei unserem Kater Fritz wurde gerade „Zuckerkrankheit“ diagnostiziert. Damit hatten wir nicht gerechnet dass es so was bei Katzen auch gibt. Wie sind seine Aussichten für die Zukunft? Können wir ihm noch ein katzenwürdiges Leben bieten? Wie muss er behandelt werden? P. Pagels, Toitenwinkel

Liebe Frau Pagels,die gute Nachricht vorneweg: die Chance, dass Kater Fritz nach einer ausführlichen Diagnose mit einer Diabetes und entsprechender Behandlung recht lange und mit guter Lebensqualität zurechtkommen kann, ist recht hoch.

Bis dahin ist es jedoch ein anstrengender Weg – für den Tierarzt aber auch für Sie als verantwortliche Besitzer.

Der „Katzendiabetes“ ist vergleichbar mit der Zuckerkrankheit des Menschen, unterscheidet sich aber in wesentlichen Grundzügen von ihr und von der Zuckerkrankheit des Hundes oder anderer Tiere.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Glukose und Insulin. Um Glukose zur Energiegewinnung erfolgreich einzusetzen, muss sie von den Zellen aus dem Blut aufgenommen werden. Das geht aber nur mit Insulin. Wird im Krankheitsfalle kein oder nur wenig Insulin hergestellt, verbleibt die Glukose im Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt an. Zur Bereitstellung der dringend benötigten Energie werden körpereigene Fette und Eiweiße abgebaut. Das Tier verliert Gewicht. Gleichzeitig nehmen die Cholesterin- und Fettwerte im Blut zu. Mit zunehmendem Insulinmangel häufen sich durch diesen erhöhten Fettabbau saure Stoffwechselprodukte an (Ketoazidose) . Diese können schnell lebensbedrohlich werden: nämlich in Form eines Zuckerkomas.

Da die Zellen jedoch weiterhin einen Glukosemangel ans Gehirn melden, reagiert es mit gesteigertem Appetit. Nach der erhöhten Nahrungsaufnahme steigt der Blutzuckerspiegel weiter an. Ein Teufelskreis.

Bei einer bestimmten Zuckerkonzentration im Blut setzen Zuckerverluste über die Nieren ein. Zusätzlich werden beim Flüssigkeitsdurchfluss durch die Nieren – bedingt durch das osmotische Verhalten von Glukose – auch erhebliche Wasser- und Salzmengen mitgerissen und dem Körper entzogen. Die Harnmenge nimmt zu. Der Organismus versucht, die Flüssigkeitsverluste wieder auszugleichen. Die Katze verspürt starken Durst und trinkt viel. Nun kennen Sie die typischen Symptome für eine zuckerkranke Katze: vermehrter Hunger, Gewichtsverlust, starker Durst und eine erhöhte Harnmenge. Anders als beim Hund kommt es bei der Katze nicht zu Linsentrübungen. Häufig wird der Diabetes jedoch von einem Harnwegsinfekt begleitet. Die feline Zuckerkrankheit betrifft bevorzugt mittlere und ältere Tiere, wobei kastrierte Kater am häufigsten erkranken. Meistens teilen sie zwei Gemeinsamkeiten: Übergewicht und reine Wohnungshaltung.

Zur Diagnose werden wir zunächst den Glukosegehalt in Urin und Blut der Katze untersuchen. Die Bewertung des Blutzuckers von Katzen ist nicht einfach, da sie bei Stress leicht mit einem Anstieg des Blutzuckers reagieren. Der Effekt kann auch durch andere Erkrankungen entstehen. Da der Blutzuckerspiegel der Katze keine zufriedenstellende Aussage zulässt, analysieren wir den Gehalt an Fructosaminen.

Die Behandlung von Fritz hängt davon ab, an welcher Form des Diabetes er erkrankt ist. Würde bei ihm die „komplizierte“ Form mit Ketoazidose vorliegen, wäre eine Intensivtherapie mit Infusionen, Elektrolytausgleich und die Gabe von kurzwirksamen Insulin als Dauertropf nötig. Ist die Krise überstanden, wird er als normaler Diabetiker behandelt.

Die allgemein übliche Behandlung des Katzendiabetes erfordert täglich zwei Injektionen mit Insulin. Nach dem Beginn der Therapie sind regelmäßige Kontrollen nötig. Da es keinen Sinn macht, die Blutzuckerwerte in der ersten Zeit täglich zu messen oder gar anhand dieser Werte die Dosis zu verändern, soll die gleiche Insulindosis für mindestens 7 bis 10 Tage verabreicht werden. Dann wird eine Blutzuckertageskurve erstellt. Nun können wir entscheiden, ob die Insulindosis angepasst oder unverändert bleibt.

Die Nahrungsaufnahme steht bei der Katze in engem Zusammenhang mit der Insulinverabreichung. Bei kurzfristig wirkendem Insulin muss die Fütterung zeitnah erfolgen. Langfristig wirkendes Insulin erlaubt eine unabhängigere Futtergabe.

Eine große Rolle spielt die Zusammensetzung der Nahrung. Jüngste Forschungsergebnisse weisen drauf hin, dass der Verlauf der Erkrankung und das Wohlergehen der Diabetespatienten durch Diäten mit erhöhtem Proteingehalt (>45% in der TS) und mäßigem Stärkeanteil (<20% in der TS) erheblich verbessert werden kann. Die besondere Zusammensetzung der Nahrung bewirkt häufig, dass die Insulindosierung langfristig verringert oder ganz abgesetzt werden kann. Diese speziellen Diäten, die verordnet werden, beziehen Sie ausschließlich über Tierärzte.

Ihr Tierarzt bespricht mit Ihnen ausführlich, wie Sie Fritz in der nächsten Zeit am besten pflegen. Er zeigt Ihnen, wie Sie Fritz seine Spritzen verabreichen, wie Sie vorsichtig mit dem Insulin umgehen (im Kühlschrank aufbewahren, nicht schütteln etc.). Natürlich werden Sie Fritz viel beobachten. Falls Symptome einer Unterzuckerung auftauchen, suchen Sie bitte umgehend Ihren Tierarzt auf. Eine Unterzuckerung erkennen Sie an plötzlicher Schwäche, Schwanken, Zittern, Umfallen, Kollabieren, manchmal Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Liebe Frau Pagels, die Entscheidung, Fritz als Diabetiker zu pflegen, verlangt viel von Ihnen. Ich möchte Sie dazu ermuntern. In unserer Klinik haben wir mehrere Katzen begleitet, die 7 Jahre und länger mit Ihrer Zuckerkrankheit ein qualitätsvolles Leben und eine sehr innige Beziehung zu ihren Besitzern geführt haben. Wenn das Testen des Blutzuckers, die Injektionen und die Fütterung als Ritual mit vielen Belobigungen und Schmuseeinheiten abläuft, gewöhnen sich die Vierbeiner sehr gut daran. Einige fordern es regelrecht ein. Trainieren Sie mit Ihrer Familie oder Nachbarn die täglichen Erfordernisse und Abläufe damit Sie im Notfall oder Urlaub vertreten werden können. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

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