Welche Lebensmittel sind für Hunde gefährlich?

Meine Labradormischlingshündin Libby „hilft“ mir gern in der Küche. Grund ist wahrscheinlich, dass sie häufig etwas erbeutet. Egal, ob rohe Kartoffel-, Paprika-, Gurken- oder Zwiebelstückchen, Libby verschlingt es zu gerne. Meine Freundin fand das nicht so gesund und meinte, einige Lebensmittel für Menschen könnten für Hunde gefährlich werden. Stimmt das? Sylvia B. aus Ribnitz

Liebe Frau B.,
so schön es auch ist, dass Libby so einen engen Familienanschluss hat, aber Hunde bleiben Hunde, auch wenn wir sie gern als kleine, mit Fell überzogene Menschlein betrachten. Und damit behalten sie auch ihren eigenen besonderen Stoffwechsel und vor allem ihre eigenen Ernährungsansprüche, die sich deutlich von uns Menschen unterscheiden. Tatsächlich lauern für unsere Hunde in der so geliebten Küche so manche Gefahr:

Bohnen

Bohnen sind nur in rohem Zustand giftig. Obwohl der Giftstoff Phasin durch das Kochen zerstört wird, sollten Sie mit der Verabreichung gekochter Bohnen äußerst vorsichtig sein. Sie bilden im Magen-Darm-Trakt Gase und können damit eine Magendrehung mitverursachen.

Salz

Zu hohe Salzgaben führen über einen längeren Zeitraum bei Hunden zu Nierenschäden. Während der Vierbeiner normalerweise einen hohen Salzkonsum durch eine zusätzliche Wasseraufnahme kompensiert, können einmalige, zu stark gesalzene Portionen Erbrechen, Durchfall, Fieber, Kreislaufschocks und Krampfanfälle auslösen.

Schokolade

Für uns Menschen ist sie fast unentbehrlich – ob das wohl an den Flavanolen liegt, die unser Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen? Das im Kakao enthaltene Theobromin kann vom Hund jedenfalls nicht verarbeitet werden, es reichert sich an und verursacht die gefürchteten Vergiftungen.  110mg Theobromin pro kg Körpergewicht wirken toxisch, führen zu Durchfall, Erbrechen, Herzrasen, Ruhelosigkeit, Atemnot, Zittern, Krämpfen, Lähmungserscheinungen und Bewusstseinstörungen. Der Kakaogehalt schwankt jedoch sehr in einzelnen Produkten. Bereits 100g Blockschokolade sind für einen 12kg Hund absolut kritisch.

Zuckeraustauschstoffe

Während Xylitol in vielen Genussmitteln unser Leben versüßt – z.B. in Bonbons, Keksen oder Kaugummi -  sollte es aus Fellöhrchens Leben verbannt bleiben. Der Hundeorganismus reagiert mit einer starken Ausschüttung von Insulin auf Xylitol , bereits ab 1g/ kg Körpergewicht. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel bedrohlich ab. Der Hund wird schwach, taumelt, zittert, kann apathisch werden und sogar ins Koma fallen.

Zwiebeln / Knoblauch

Diese Zwiebelgewächse enthalten Sulfide, die die roten Blutkörperchen des Hundes zerstören. Das wichtige sauerstoffspeichernde Hämoglobin kann die Zellen nicht mehr ausreichend versorgen: eine Blutarmut ist die Folge. Durch Kochen werden die Stoffe nicht unwirksam. Obwohl die kritischen Mengen, die ein Vierbeiner aufnehmen muss, relativ hoch sind ( 40g/ kg Körpergewicht), ist Vorsicht geboten, insbesondere bei Extrakten und leicht unterschätzten Verstecken wie Chips und ähnliche Produkte. Die Praxis zeigt, dass einige Hunde empfindlicher auf Zwiebelgewächse reagieren als andere.

Weintrauben

Dem Phänomen der Weintraubenvergiftung beim Hund sind viele Wissenschaftler auf der Spur. Fest steht, dass einige Hunde – ähnlich wie bei den Zwiebeln – besonders empfindlich auf Weintrauben reagieren, andere gar nicht. Die Ursache dafür ist ungeklärt. Ungeklärt ist auch der Stoff, der die Symptome (Erbrechen, Durchfall, später Nierenschäden) auslöst. Es scheint jedoch, dass Rosinen in ihrer hohen Konzentration besonders gefährlich wirken.

Nüsse

Heimische Walnüsse gefährden unsere Hunde am meisten durch ihre grüne Schale. Das lustige Hin- und Herkollern sollte ihr Hund lieber mit seinem Bällchen erleben. Sorgen machen uns besonders die Macadamia-Nüsse. Bereits ein bis zwei dieser Nüsse genügen um bei einem empfindlichen terriergroßen Hund Symptome auszulösen: Schwäche, Erbrechen, Zittern, erhöhte Temperatur, Lahmheit, Steifheit und Bauchschmerzen. Es scheint wiederum eine sehr unterschiedliche Sensibilität einzelner Vierbeiner für Nüsse zu geben. Sicher möchten Sie bei Ihrem Hund nicht testen, wo seine kritische Menge liegt – daher ist Vorsicht geboten!

Fallobst / Obstkerne

Obstkerne enthalten die giftige Blausäure. Diese wird jedoch nur frei, wenn der Kern vom Hund zerbissen wird. Dies  geschieht äußerst selten. Aus unzerkauten Steinen kann die Blausäure dem Hund nicht gefährlich werden.  Mit Blausäure vergiftete Hunde beginnen zu speicheln, die Schleimhäute verfärben sich hellrot und es kann zu Atemnot und Krämpfen kommen. Sie erbrechen, bekommen Durchfall und Fieber. Achtung: So manche überreife Pflaume hat nach ausgiebigem Genuss durch eine Schwarznase zu deutlichen Turbulenzen im Darm und auf dem Teppich geführt!

Liebe Frau B., heute haben wir uns auf die wichtigsten Lebensmittel beschränkt, die wir unseren Vierbeinern vorenthalten sollten. Vorsicht ist ebenfalls bei verschiedenen Pflanzen geboten, bei Medikamenten, Haushaltsreinigern etc. Am besten hat es Paracelsus im 16. Jahrhundert auf den Punkt gebracht: „Alle Ding sind Gift und nichts ohn’Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

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