Welche Mittel sind zur Flohbekämpfung geeignet?

Unsere Katze Suse lebt in unserer Wohnung und hat täglich Freilauf. Seit einiger Zeit beobachte ich, dass sich Suse heftig juckt. Ansonsten ist sie fit wie ein Turnschuh. Mich macht dieser Juckreiz ganz nervös. Wie können wir Suse helfen? Petra B., Heiligenhagen

Liebe Frau B.,
als erstes empfehle ich Ihnen, Suse auf einen eventuellen Flohbefall zu untersuchen bzw. untersuchen zu lassen. Wenn Sie dabei keine Flöhe finden, bedeutet dies nicht, dass Suse nicht von Ihnen  geplagt wird. Ihr Tierarzt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Flohkamm oder einem feuchten Wattebausch Flohkot auf Ihrer Katze nachweisen. Damit ist die blutsaugerische Tätigkeit der Flöhe mit anschließender Verdauung bewiesen. Die Behandlung kann beginnen.

Wie sieht nun die Behandlung aus? Um sie zu verstehen und effektiv anzuwenden, ist es wichtig, die Lebensweise der sechsbeinigen Parasiten zu kennen. Zunächst kann ich Sie beruhigen. Trotz größter Sauberkeit und Hygiene kommt es vor, dass Katz oder Hund einen ungebetenen Gast auflesen und mit nach Hause bringen. Gerade die zunehmend komfortableren Lebensbedingungen wie Teppichböden, Klimatisierung verbessern die Überlebenschancen der Flöhe enorm. Übrigens existieren die Flöhe in ihrer jetzigen Form bereits seit 50 Millionen Jahren. Sie begleiten die Menschen intensiv und erfolgreich so lange es sie gibt. Gerade durch die enge Lebensgemeinschaft von Mensch und Tier hat der Floh es in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen geschafft. Schätzungen gehen davon aus, dass über 20% aller Katzen und Hunde regelmäßig von Flöhen befallen werden.

Flöhe nutzen zur Fortbewegung ihre kräftigen Hinterbeine. Diese erlauben ihnen Sprünge, die fast einen Meter weit sind. Bei diesen Sprüngen entwickeln sie ein rasantes Tempo, die 150fache Erdbeschleunigung, eine der schnellsten Geschwindigkeiten im Tierreich. Flöhe haben zwar keine Facettenaugen wie andere Insektenfamilien, aber sie orientieren sich über den Hell-Dunkel-Kontrast und Wärme gezielt auf die unfreiwilligen Opfer. Dabei scheint es sogar bestimmte Geschmacksansprüche der Flöhe zu geben. Gemeinsam gehaltene Hunde unterschieden sich bis um das Zehnfache ihres Flohbefalls. Jungtiere wurden deutlich bevorzugt.

Befruchtete Weibchen legen 24 Stunden nach der Begattung etwa 30 Eier in das Fell des Wirtes. Die Eier fallen jedoch bald ab und verteilen  sich in direkter Umgebung der Schlafstätten. Nach 4 bis 5 Tagen schlüpfen die Larven. Die Larven ernähren sich von organischem Material aus der Umgebung, hauptsächlich von dem Kot der erwachsenen Flöhe, der sich aus unverdautem Blut  zusammensetzt. Die Larven überleben meist versteckt im Gras, Sand, unter Ästen und Blättern, Teppichböden und Ritzen. In Form von Puppen sind die Parasiten sehr resistent gegen klimatische Einflüsse und Insektizide. Deshalb entwickeln sich sogar in Wohnungen, die mit Insektiziden behandelt worden sind, noch nach mehreren Wochen junge Flöhe. Nach dem Schlüpfen halten sie sich gern auf einem Blutlieferanten auf.

Einen Floh auf einem Tier müssen Sie sich wie die Spitze eines Eisberges vorstellen. Auf diesen einen Floh entfallen etwa 100 Jugendstadien in der Umgebung!

Die schlupfbereiten Flöhchen warten bis zu 140 Tage auf spezifische Reize ehe sie ihre Puppenhülle verlassen. Dabei handelt es sich u.a. um leichte Erschütterungen des Bodens, die die Ankunft von Tier und Mensch verheißen. Das ist auch der Grund, warum gerade nach einem längeren Urlaub der Befall der Tiere besonders deutlich ist.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich nun für die Flohbekämpfung ableiten? Eine alleinige Beseitigung der Flöhe an Hund oder Katze wird das Problem nicht lösen. Die zahlreichen Jugendstadien befinden sich nicht auf dem Wirt, sondern in der Umgebung. Hier müssen sie erwischt und erledigt werden um einen neuen Befall innerhalb kürzester Zeit zu verhindern.

Gründliches Staubsaugen dezimiert die Zahl der Flohpuppen zwar erheblich, beseitigt sie aber nicht vollständig. Besonders Teppichfasern geben den Puppen genügend Halt um das Staubsaugervakuum zu überstehen. Der Staubsaugerbeutel sollte nach der Aktion verbrannt werden. Die Schlafdecken unserer Vierbeiner werden durch eine gründliche 60°- Wäsche von den Parasitenstadien befreit. Aufgrund der idealen Umweltbedingungen siedeln sich hier die Larven aber sehr gern und schnell wieder an.

Strategisch ist also die kombinierte Behandlung des Vierbeiners als auch seiner Umgebung von größter Bedeutung. Dazu haben Sie die Wahl aus vielen verschiedenen Präparaten:

1. Zu den klassischen Parasitenmitteln zählen die Insektizide. Sie schädigen das Nervensystem der Insekten und sind langerprobt und sicher. Sie sind in vielen Anwendungsformen erhältlich z.B. als Spray, Puder, Spot on, Vernebler oder Shampoo. Bei Suse sollten Sie mit diesen Produkten jedoch vorsichtig sein, denn Katzen reagieren auf einige Wirkstoffe wie Phosphorsäure-Ester, Pyrethroide u.a. sehr empfindlich.

2. Alternative Mittel wie Knoblauch, Zwiebeln oder Vitamin B sind unwirksam.

3. Neue Flohmittel, die sogenannten IGR’s, sind Entwicklungshemmer und unterbrechen den Vermehrungszyklus der Flöhe. Dazu zählen z.B. Program®, Bolfo aktiv®, Kadox plus® etc..

Sie sind für Säugetiere ungefährlich und können bei allen Altersgruppen angewendet werden.

Nachteilig ist, dass die Entwicklungshemmer nicht die erwachsenen Flöhe töten, sondern erst zeitverzögert die Flohpopulation aussterben lässt. Sie sind gut mit Insektiziden kombinierbar.

Die neuen Insektizide Advantage®, Frontline® und Stronghold® verfügen über eine ausgezeichnete flohabtötende Wirkung. Sie sind für Mensch und Säugetiere ungiftig. Als Spray oder Spot on Präparate sorgen sie für 4 bis 6 Wochen für Flohfreiheit. Insgesamt sollten sie mindestens 6 Zyklen, also ca. 6 Monate hintereinander eingesetzt werden, damit wirklich alle Flohgenerationen eliminiert werden.

Die neuen Insektizide erhalten Sie exklusiv in der Tierarztpraxis. Ihr Tierarzt berät Sie gern dazu, so dass Sie für Suse und ihre Umgebung wirksame Mittel zur Bekämpfung der Plagegeister finden.

Beherzigen Sie dabei folgende Regeln:

1. Behandeln Sie immer alle Tiere Ihres Haushaltes. Denken Sie dabei auch an das Meerschweinchen des Kindes oder fragen Sie nach dem Flohbefall der Nachbarskatze.

2. Beachten Sie die vom Hersteller angegebenen Behandlungsintervalle.

3. Tiere und Umgebung müssen gleichzeitig in die Behandlung einbezogen werden. Denken Sie dabei auch an das Auto, den Wäschekorb, das Bett oder andere Lieblingsplätze Ihres Vierbeiners.

4. Kontrollieren Sie ständig Ihre Schutzbefohlenen auf Flohbefall bzw. kleine schwarze Krümelchen. Ansonsten werden aus einigen wenigen Flöhen sehr schnell sehr viele.

Mit der erfolgreichen Flohbekämpfung erlösen Sie Suse nicht nur von der ewigen Kratzerei, sondern schützen sie auch vor den unangenehmen Folgen des Flohbefalls. Flöhe können Zwischenwirte für verschiedene Bandwurmarten sein. Wenn Suse einen Floh verschluckt, könnte sie sich mit Bandwurmlarven infizieren. Außerdem können Flöhe Milben und Hautpilzsporen verschleppen. Flohbisse können zu der gefürchteten Flohspeichelallergie führen. Sie ist die häufigste allergische Erkrankung bei Katz und Hund.

Ich wünsche Ihnen schöne Stunden mit Ihrer Suse. Mit neuer Gelassenheit wird sie ihre Energie für spannende Katzenabenteuer einsetzen.

 

 

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