Wie ziehe ich einen Welpen gesund auf?

Bei der Welpenaufzucht gibt es viel zu beachten!
Photo credit: C Jill Reed via VisualHunt / CC BY-SA

Vor kurzem haben wir uns einen Doggenwelpen vom Züchter gekauft. Er heißt Ufo. Unsere Frage ist nun, wie wir Ufo unkompliziert, aber gesund aufziehen. Was sollen wir ihm zu Fressen geben? Ich halte die Gläschen für die Babyernährung sehr günstig. Was müssen wir noch alles beachten?

F. Gerlach, Kessin

Lieber Herr Gerlach,

herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Familienmitglied! Ufo bringt viel frischen Wind in Ihren Alltag. Vielleicht wird er Sie etwas herausfordern mit nächtlichem Weinen, langsamem Sauberwerden oder interessanten Ideen zur Gardinengestaltung. Vielleicht testet er mit seinen kleinen spitzen Zähnen Tisch, Stühle und Türen auf Festigkeit. Aber Hand auf’s Herz, gibt es etwas Faszinierendes als so einen kleinen Naturburschen heranwachsen zu sehen?

Mit dem Kauf von Ufo haben Sie die Verantwortung für seine gesunde Entwicklung und sein langes Leben übernommen. Viele Bereiche können Sie nicht ändern. Seine genetische Veranlagung ist ihm von seinen Eltern übertragen worden. Aber Sie können viel für Ufos gesundes Leben tun.

Das fängt bei der Ernährung an. Bitte machen Sie nicht den Fehler und betrachten Ufo wie ein kleines Menschenkind! Babynahrung hat nichts mit Welpenaufzucht zu tun! Hunde haben einen intensiveren Stoffwechsel und wachsen viel schneller. Dadurch ergeben sich andere differenzierte  Ernährungsansprüche an die Vierbeiner als Menschen haben. So benötigt ein Hund ca. 4 bis 10 mal mehr Kalzium pro kg Körpergewicht  und ca. 3 bis 6 mal mehr Eiweiß pro kg Körpergewicht als ein Mensch. Mit anderen Worten, Hunde benötigen ihre eigene, auf ihre speziellen Verhältnisse abgestimmte Nahrung. Noch extremer sieht es aus, wenn wir die Aufzucht einzelner Rassen betrachten. Während ein Dackelkind bereits nach ca.10 bis 12 Monaten sein Endgewicht erreicht hat, werden Sie bei Ufo zwei Jahre darauf warten.

Wo ist das richtige Maß? Eine Unterversorgung an Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweißen wirkt sich auf den wachsenden Hund genau so verheerend aus wie eine Überversorgung. Die Folgen wären Rachitis, Immundefekte, Hauterkrankungen, Wachstumsstörungen und Gelenkerkrankungen. Aber auch Verfettung und die damit verbundene verkürzte Lebenserwartung sowie Probleme mit dem Skelett wie Durchtrittigkeit und Knochendeformierungen.

Die Fertignahrungsindustrie erleichtert Ihnen die Aufzucht erheblich in dem sie Ihnen wissenschaftlich balancierte Nahrungen zur Auswahl stellt. Hochwertige Produkte sind genau auf die Ernährungsbedürfnisse eines wachsenden Hundes großer Rassen abgestimmt. Es gibt auch die Alternative, die Nahrung für die Hunde selbst anzumischen. Dazu sind aber genaue Kenntnisse zur Futtermittelkunde, Rationsgestaltung sowie zur Anatomie und Physiologie der Verdauung notwendig. Wer seine selbst angemischten Futtermittel auf Vollständigkeit überprüfen lassen möchte, findet bei uns seriöse Hilfe mit einem speziellen Computerprogramm. Wir beraten Sie gern.

In den vergangenen Jahren wurde erfolgreich untersucht und aufgeklärt, wie die Ernährung die Wachstumsprobleme großer Rassen beeinflusst. Am ehesten leiden Hüft- Ellenbogen- und Schultergelenke unter einer langfristig ungünstigen Nährstoffversorgung.

Eine große Rolle spielt das optimale Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Es sollte in einem Bereich von 1,2 :1 bis 2:1 liegen. Skeletterkrankungen werden hauptsächlich durch Dosierungsfehler an Kalzium und Phosphor, seltener durch Kupfer, Mangan oder Vitamin D verursacht. Manch Hundehalter meint es gut, fügt der wissenschaftlich abgestimmten Fertignahrung noch Kalziumpräparate zu und bringt dadurch den Kalziumhaushalt der Knochen ordentlich durcheinander. Bitte sparen Sie sich diese Abenteuer und investieren lieber in eine hochqualitative Hundenahrung.

Ebenfalls große Bedeutung hat die Eiweißversorgung des wachsenden Hundes. Das Nahrungseiweiß muß hochverdaulich und von guter Qualität sein. Keine Angst, es gibt keine Hinweise, dass ein zu hoher Eiweißgehalt im Futter Skeletterkrankungen fördert. Aber Achtung: in einigen konzentrierten Produkten finden Sie oft einen hohen Eiweißgehalt mit einem hohen Fettgehalt gekoppelt. Davon darf der jugendliche Hund nur eine restriktive Menge erhalten, sonst wächst er zu schnell, wird schnell zu groß und zu schwer.

Inzwischen wissen wir, dass neben der genetischen Veranlagung die Intensität der Aufzucht erheblich den Grad der Beschwerden beeinflusst. Desto schneller der Junghund wächst, desto schwerer er wird, um so höher ist auch die Gefahr der Erkrankung. Bitte schlussfolgern Sie jetzt nicht, dass es am besten wäre, den Hund „hochzuhungern“. Studien belegen, dass es darum geht, die optimale Wachstumsintensität zu finden, nicht die maximale. Inzwischen liegen für die meisten Rassen ideale Wachstumskurven vor. Ich empfehle Ihnen, Ufo moderat aufzuziehen und ihn regelmäßig zu wiegen. Vergleichen Sie mit der Wachstumskurve, ob Sie auf der richtigen Seite sind.

Noch ein Wort zur Fütterungshäufigkeit: Ufo sollte zunächst seine Ration in drei bis vier Mahlzeiten pro Tag erhalten. In einem Alter von sechs Monaten reichen Sie ihm zweimal täglich sein Futter. Nach Abschluss des Wachstums geben Sie es ihm täglich ein bis zweimal.

Für die Entwicklung von Ufo ist auch eine art- und altersgemäße Aktivität wichtig. Sein natürliches Bewegungsbedürfnis soll erfüllt und die Ausprägung von Muskeln und Skelett entwickelt werden. Keinesfalls darf er einseitig be- oder überlastet werden, etwa durch lange Fahrradtouren. Der Untergrund ist entscheidend für den Halt auf seinen vier Beinen. Auf glatten Fliesen oder anderen rutschigen Unterlagen grätscht er öfter aus und gefährdet damit seine Gelenk- und Knochengesundheit.

Lieber Herr Gerlach, eine regelmäßige Impfung und Entwurmung ist für Ufos Gesundheit genauso wichtig wie eine ausgewogene Ernährung. Wenn Sie unsere Ratschläge beherzigen und in einem netten Verein oder einem kompetenten Hundetrainer Verbündete für eine gute Erziehung von Ufo finden, steht seinem langen gesunden Hundeleben nichts mehr im Wege.

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