Die Linsenluxation

Was ist eine Linsenluxation?

Die Linse gehört zusammen mit Hornhaut und Glaskörper zu den durchsichtigen Strukturen des Auges. Sie bündelt einfallendes Licht auf die Netzhaut (=Retina) und hat damit eine wesentliche Funktion beim Sehvorgang. Im gesunden Auge ist die Linse rundum an vielen kleinen „Fädchen“, den sog. Zonulafasern befestigt.

Die Linsenluxation beschreibt die Loslösung der Linse im Auge. Im Anfangsstadium reißen zunächst nur einige Zonulafasern, es kommt zur Linsensubluxation (= teilweise Loslösung der Linse). Letztlich reißen alle Fasern und die Linse kann sich frei im Auge bewegen. Meist fällt die Linse in die vordere Augenkammer vor (luxatio lentis anterior), vereinzelt kann sie aber auch in den hinteren Bereich der Augenkammer (luxatio lentis posterior) verlagert werden.

Was sind die Ursachen einer Linsenluxation?

Man unterscheidet zwischen einer primären Linsenluxation (PLL) und einer sekundären Linsenluxation als Folge anderer Erkrankungen. Die primäre Linsenluxation ist eine vererbbare Augenerkrankungen, bei der eine angeborene Schwäche, bzw. Fehlausbildung der Zonulafasern besteht. Betroffen sind vor allem kleine Terrier-Rassen (wie JRT, Welsh Terrier, Jagdterrier) aber auch der Border Collie. Die Erkrankung tritt hier in einem Alter zwischen 3 und 6 Jahren zum ersten Mal auf. Meist sind beide Augen, wenn auch zeitversetzt, betroffen. Es existiert für prädisponierte Rassen ein entsprechender Gentest, zum Ausschluss bzw. zur Risikoeinschätzung für eine PLL.

Die sekundäre Linsenluxation ist Folge einer anderen schwerwiegenden Augenerkrankung. Vor allem grauer Star (Katarakt) und grüner Star (Glaukom) sowie eine chronische Uveitis (= Entzündung der inneren Augenstrukturen), aber auch schwerwiegende Kopftraumata und Tumorerkrankungen können eine Linsenluxation zur Folge haben.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Linsenluxation?

Im Anfangsstadium sind die Symptome sehr diskret und schwer zu erkennen. Häufig ist nur ein leichter Tränenfluss und/oder vermehrtes Augenkneifen auffällig. Das Auge erscheint gerötet und die sonst klare Hornhaut wird milchig-trüb. Bei der sekundären Linsenluxation stehen die Symptome der Primärerkrankung im Vordergrund. Bei der Augenuntersuchung kann ein „Iris- und Linsenschlottern“ beobachtet werden.

Kommt es als Folge der Linsenluxation zu einem erhöhten Augeninnendruck und es entsteht ein Glaukom (= grauer Star), erblindet das Tier innerhalb weniger Stunden bzw. Tage. Dies ist ein absoluter Notfall für das betroffene Auge!

Wie wird die Linsenluxation behandelt?

Die Therapie ist abhängig von Ursache, Dauer der Erkrankung und den akuten Beschwerden. Bei einer Luxation der Linse in die hintere Augenkammer erfolgt meist nur eine regelmäßige, klinische Kontrolle, da bei dieser Form der Luxation oftmals keine Beschwerden zu beobachten und der chirurgische Eingriff komplikationsbehaftet ist.

Bei der primären Linsenluxation ist meist die chirurgische Entfernung der Linse die Therapie der Wahl. Oft wird bereits im Stadium der Subluxation der Linse operiert, um einem Glaukom vorzubeugen.

Der operative Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Die luxierte Linse und vorgefallenes Glaskörpermaterial wird durch einen kleinen Hornhautschnitt entfernt. Anschließend wird das Auge gespült und die Hornhaut wieder vernäht.

Bei sekundären Linsenluxationen oder bereits bestehendem erhöhtem Augeninnendruck ist vor Operation die Behandlung der Grunderkrankung notwendig (mittels Augentropfen). Letztlich ist die Entscheidung, ob und wann operiert wird, von verschiedenen Faktoren abhängig. Ihr Augenspezialist wird mit Ihnen die bestmögliche Therapie besprechen.

Wie sieht die Nachsorge nach einer Operation aus und wie ist die Prognose?

In den 10-14 Tagen nach einer Operation ist eine intensive Tropftherapie und regelmäßige klinische Kontrollen bei Ihrem Tierarzt notwendig. Ihr Hund muss in der Nachsorge entsprechend ruhig gehalten und Aufregung vermieden werden. Komplikationen (wie Einblutungen in das operierte Auge, erhöhter Augeninnendruck) können gelegentlich auftreten und sollten immer Ihrem Tierarzt vorgestellt werden.

Der Heilungsverlauf ist neben der guten Nachsorge auch abhängig von der Funktionskraft des Auges vor dem operativen Eingriff. Bei kurz andauernder Erkrankung und nur geringfügigem erhöhtem Augeninnendruck kann nach der Operation ein guter Grad an Sehkraft erwartet und wiedererlangt werden. Die Prognose ist hier entsprechend gut.

Oftmals ist es dennoch so, dass durch den Vorfall der Linse und den erhöhten Augeninnendruck die empfindliche Netzhaut bereits stark geschädigt ist. Mit einer Operation kann dann keine Sehkraft wiederhergestellt werden. Die Operation dient in diesem Fall dazu, das Auge zu erhalten und Ihrem Hund ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen.