Keratokonjunktivitis Sicca („KCS“) oder „Dry eye“

Als KCS beschreibt man eine Entzündung von Hornhaut (Keratitis) und Bindehaut (Konjunktivitis) auf Grund mangelnder oder fehlender Produktion des wässrigen Anteils der Tränen durch die Tränendrüse (Glandula lacrimalis) und die Nickhautdrüse (Glandula membrana nictitans). Der Schaden an den Tränendrüsen ist häufig dauerhaft, so dass es einer lebenslangen Therapie bedarf. Je früher die KCS erkannt und therapiert wird, umso besser die Prognose für das betroffene Auge.

Jeder Zustand, der die Fähigkeit beeinträchtigt, ausreichende Mengen an Tränenfilm zu produzieren, kann zu einem trockenen Auge führen. Die häufigste Ursache von KCS ist eine immunvermittelte Reaktion, die die Tränendrüsen schädigt. Der zu Grunde liegende Entstehungsmechanismus ist bisher nicht endgültig aufgeklärt, wobei sicher ist, dass genetische Ursachen existieren. Das körpereigene Immunsystem greift die Zellen an, die den größten, den wässrigen Anteil des Tränenfilms produzieren, was zu einer verminderten Produktion führt. Die Form der KCS kann alle Rassen jeden Alters betreffen, dennoch sind bestimmte Rassen häufiger vertreten, allen voran West Highland White Terrier, Cavalier King Charles Spaniel, Shih Tzu, Bulldoggenartige, Mops, American Cocker Spaniel, Lhasa Apso und Yorkshire Terrier. Meist tritt die Erkrankung bei älteren Tieren (> 5 Jahre) auf und betrifft in der Regel beide Augen.

Darüber hinaus können systemische Erkrankungen, wie z.B. eine Staupeinfektion KCS bewirken. Auch bestimmte Medikamente, wie z.B. Sulfonamide oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vermindern die Tränenproduktion. Eine Sonderform ist die neurogene KCS, bei der Auswirkungen einer Innenohrentzündung auf das Nervensystem einseitige Symptomatik hervorrufen..

Wozu braucht es Tränenflüssigkeit?

Der natürliche Tränenfluss hat für das gesunde Auge viele wichtige Funktionen. Er versorgt als ölig-wässriges Sekret die Augenoberfläche mit lebensnotwendigen Nährstoffen, pflegt und schützt die Hornhaut und wirkt als Gleitmittel zwischen Augapfel und Augenlidern. Dadurch schützt der Tränenfilm die Hornhaut nicht nur vor Infektionen und Verletzungen, sondern hält auch den gesunden Stoffwechsel des Gewebes aufrecht. Eine verminderte Tränenproduktion führt zum trockenen Auge. Dies erhöht die Anfälligkeit für Ulcera und Infektionen. In schlimmen Fällen finden Umbauprozesse der Augenoberfläche statt (Einlagerung von Pigmenten und Gefäßeinsprossung), die letztlich in Erblindung resultieren.

Welche Symptome finden sich bei „trockenen Augen“?

Trockene Augen gehen immer mit Schmerzen und einem Fremdkörpergefühl einher. Betroffene Hunde reiben sich vermehrt mit den Pfoten die Augen, blinzeln übermäßig oder halten die Augen ganz geschlossen. Je nach Schweregrad ist auch das Allgemeinbefinden der erkrankten Tiere gestört. Die Augen sind gerötet und gereizt, meist findet sich dickflüssiger, gelblicher Augenausfluss. Dies ist eine Folge der verminderten (wässrigen) Tränenfilmproduktion. Die Augenoberfläche erscheint stumpf und glanzlos. In chronischen Fällen finden sich sehr häufig schlecht heilende Ulcera (Geschwüre) auf der Hornhaut. Eine chronische sekundäre Konjunktivitis ist fast immer präsent. Je nach Schwere der Erkrankung kommt es zur Gefäßeinsproßung in der Hornhaut (sog. Neovaskularisation), Vernarbungen (als Verfärbung des Hornhaut erkennbar) und Pigmentblagerungen, was letztlich zu einer eingeschränkten Sehkraft bis hin zur Erblindung führt.

Wie wird das „trockene Auge“ diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt am schnellsten und einfachsten mittels eines „Schirmer-Tränen-Test“. Eine Sedierung oder Narkose ist hierfür nicht notwendig. Ein schmaler genormter Papierteststreifen wird in den äußeren Augenwinkel eingebracht und misst mittels Dochtwirkung die produzierte Menge an Tränenflüssigkeit. Ein Ergebnis liegt innerhalb von 60 Sekunden vor. Es sollten immer beide Augen getestet werden. Zudem sind je nach Symptomen auch weiterführende Untersuchungen wie eine Fluoreszinprobe zur Feststellung von Hornhautschäden notwendig.

Wie wird eine KCS behandelt?

Liegt eine verminderte Tränenproduktion vor, sollte immer behandelt werden. Das Ziel einer Therapie ist die Stimulation der Tränenproduktion und Ersatz der nicht vorhanden Tränenflüssigkeit zum Schutz des Auges. Zwei Punkte sind hierbei wesentlich:

1.      Bekämpfung der zugrunde liegenden Zerstörung der Tränendrüsen. Hierfür gibt es zwei wesentliche Wirkstoffe (Tacrolimus und Ciclosporin), die oftmals in Kombination mit einer Tränenersatzlösung eingesetzt werden.

2.      Behandlung der sekundären Veränderungen am betroffenen Auge. Je nach Veränderung an den Augen ist es notwendig, antibiotische oder entzündungshemmende Augentropfen/-salben einzusetzen.

Zum Schutz der Hornhaut muss vor allem im Anfangsstadium sehr häufig am Tag getropft werden. Eine Therapie ist in der Regel lebenslang notwendig. Vor allem in der Anfangsphase sind regelmäßige Verlaufskontrollen wichtig. Unterstützend zur medikamentellen Therapie sollten die Augen mehrmals täglich, immer vor der Gabe der Tropfen, mit lauwarmem Wasser vorsichtig gereinigt werden. Chirurgische Maßnahmen sollten sorgfältig abgewogen und individuell diskutiert werden.

Wie ist die Prognose bei betroffenen Hunden mit KCS?

Typischerweise bedarf die KCS einer lebenslangen Therapie. Je früher die KCS erkannt wird, umso besser ist das Ansprechen der Hunde auf die eingeleitete Therapie. Die heutigen Medikamente ermöglichen den meisten Hunden ein schmerzfreies und unbeschwertes Leben. Bei frühzeitigem Erkennen der Erkrankung und zeitnaher Therapie lassen sich chronische Folgeschäden minimieren. Sollte es im fortgeschrittenen Stadium bereits zu Vernarbungen und Pigmentierungen der Hornhaut gekommen sein, ist der daraus resultierende Visusverlust in der Regel nicht heilbar. Es empfiehlt sich gerade bei häufig betroffenen Rassen regelmäßig die Tränenproduktion zu überprüfen, um zeitnah eingreifen zu können.