Augenerkrankungen

Was ist ein Hornhautulcus?

Die Hornhaut (= Kornea) ist die glänzende, durchsichtige Membran, die den vorderen Anteil des Auges ausmacht. Sie dient zusammen mit dem Tränenfilm dem Schutz des Auges. Um die Entstehung des Hornhautulcus zu verstehen, ist ein Verständnis des Aufbaus der Hornhaut nötig.

Die Hornhaut besteht aus mehreren Schichten. Die äußerste Schicht ist ein sogenanntes mehrschichtiges Plattenepithel, welches aus mehreren Zelllagen besteht, die unterste Lage wird Basalmembran genannt. Darunter liegt das aus Kollagenfasern bestehende Hornhautstroma. Anschließend folgt das sog. Endothel mit der Descemet’schen Membran. Die einzelnen Schichten sind mit dem bloßen Auge nicht zu differenzieren, können aber bei Hornhautschäden angefärbt werden.

Je nachdem welche Hornhautschicht betroffen ist, spricht man entweder von oberflächlichen Hornhauterosionen/-abrasionen (= oberflächlicher Hornhautdefekt, der nur einige Zelllagen des Epithels betrifft) oder tiefergehenden Geschwüren (Hornhautulcus, Plural: Ulcera). Sobald das Epithel geschädigt und das Stroma betroffen ist, handelt es sich um einen Hornhautulcus. Im schlimmsten Fall geht das Geschwür bis auf die Descemet’sche Membran (= Descemetocele). Dieser Zustand ist äußerst kritisch, da im fortschreitenden Verlauf eine Hornhautperforation möglich ist, die zu einem „Auslaufen“ des Auges bis hin zu einem absoluten Verlust des Auges führen kann.

Wie kommt es zu einem Hornhautulcus?

Die meisten Hornhautulcera bei Katzen sind infektiös oder traumatisch bedingt. Häufig treten Hornhautulcera als Folge der Herpesvirus-Infektion (z.B. im Rahmen des Katzenschnupfen-Komplex) oder anderer ansteckender Erkrankungen auf.

Auch sind sie Folge einer Verletzung durch z.B. Katzenkrallen, spitze Gegenstände (Dorn), vermehrtes Reiben oder durch Reaktionen auf Chemikalien, z.B. reizendes Shampoo.

 

Welche Symptome finden sich bei einem Hornhautulcus?

Die Lidbindehaut ist gerötet, z.T. sehr stark. Ein Hornhautulcus geht mit Schmerzen einher. Das heißt, die Katze wird versuchen, sich das Auge zu reiben. Es ist ein Zusammenkneifen der Augenlider (= Blepharospasmus) zu sehen. Es kommt zu vermehrtem Tränenfluss des Auges bis hin zu schleimig-eitrigen Augenausfluss. Je nach Schädigung ist entweder eine leichte Trübung der Hornhaut oder das Ulcus selbst zu beobachten.

Wie wird ein Hornhautulcus diagnostiziert?

Es ist neben einer eingehenden Untersuchung des Auges mittel Spaltlampenmikroskop eine Anfärbung der Kornea mittels Fluorescein notwendig. Mit der Fluoresceinprobe können nicht epithelisierte Areale der Hornhaut angefärbt und entsprechend eine Aussage über das Ausmaß der Schädigung getroffen werden. Bei chronischen, nicht heilenden Defekten werden oftmals Tupferproben für eine virologische und bakteriologische Untersuchung gewonnen.

Wie wird ein Hornhautulcus behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Schwere des Hornhautdefektes. Bei oberflächlichen Abrasionen sind Vitamin A-haltige und/oder pflegende Augenmedikamente zur Förderung der Epithelsierung und eine schmerzstillende Komponente (meist atropinhaltige Augentropfen) ausreichend. Wichtig bei Infektionen sind antiviral wirkende systemische und lokale Medikamente. Ergänzend werden in der Regel antibiotische Augentropfen zum Schutz vor bakteriellen Sekundärinfektionen verordnet. Vor allem in der Anfangsphase ist ein häufiges Tropfen alle 4-6 Stunden notwendig.

Bei tiefgehenden Hornhautgeschwüren ist ein Schutz des Augenoberfläche nötig. Da Katzen keine Augenklappen tolerieren, muss durch einen chirurgischen Eingriff der Schutz der Hornhaut erfolgen. Hierbei werden entweder vorübergehend die Augenlider verschlossen (= Tarsorrhaphie) oder die Nickhaut mittels Naht über den Defekt gelegt. Bei Descemetocele oder perforierten (=durchgebrochenen) Hornhautulcera ist eine sog. Bindehautplastik („Flap“) oder Hornhautverschiebeplastik (Corneoconjunctivale Transposition, CCT) notwendig. Hier wird ein Anteil der Bindehaut oder der gesunden Hornhaut auf das betroffene Areal genäht, um so die Regeneration der Hornhaut zu erreichen. Nach Abheilung wird es zu einer Vernarbung des ehemaligen Geschwüres kommen.

Bei chronischen, nicht heilenden oberflächlichen Geschwüren ist hingegen notwendig die abgestorbenen, schlecht heilenden oberflächlichen Hornhautschichten abzutragen. Ihr Augenspezialist wird mit Ihnen die beste Therapieoption besprechen

Generell gilt – je früher die Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet wird, umso besser ist die Prognose!

Gibt es Nebenwirkungen der Augentropfen?

Katzen vertragen die Gabe antibiotische Augentropfen/-salben in der Regel ohne Probleme. Sollte Ihre Katze nach Applikation der Medikamente schmerzhafter erscheinen, kontaktieren Sie bitte Ihren Tierarzt.

Häufig zur Schmerzstillung angewandt wird Atropin. Es vergrößert die Pupille und kann unter Umständen Lichtscheue verursachen. Der Zustand ist reversibel (=umkehrbar) und verschwindet einige Tage nach Therapieende selbstständig.

Gelegentlich wird nach Anwendung von Atropin vermehrtes Speicheln und/oder Schmatzen beobachtet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass über den Tränen-Nasenkanal ein geringer Anteil an Augenmedikament auch in den Rachenraum gelangen. Die meisten Augenmedikamente schmecken bitter, was zu den beschriebenen Reaktionen führt. Dieser Zustand ist nur von kurzer Dauer und bedenkenlos. Allerdings kann die Katze bei nachfolgenden Gaben unter Umständen wehrhafter reagieren.

Wie ist der Verlauf und die Prognose bei einem Hornhautulcus?

Bei oberflächlichen Hornhautdefekten ist die Prognose für das betroffene Auge sehr gut. Bereits wenige Tage nach Therapiebeginn mit entsprechenden Augenmedikamenten ist eine Besserung zu sehen. Um einen chronischen Verlauf zu verhindern, sollte vor Absetzen der Augenmedikamente immer eine abschließende Kontrolle durch den Tierarzt erfolgen.

Im Rahmen des Heilungsprozesses wird es je nach Tiefe des Defektes zu einer Gefäßeinsproßung (=Neovaskularisation) der Hornhaut kommen, die in feinen roten Äderchen in der Hornhaut sichtbar wird. Diese Prozesse sprechen für ein abheilendes Geschwür und sind wünschenswert.

Chronische Defekte sind je nach Ursache oft schwerer in den Griff zu bekommen und haben ein Risiko für Rezidive (=erneutes Auftreten der Symptome). Die chirurgische Therapie bei tiefgehenden Defekten hat mit dem richtigen, sich an eine OP anschließenden Tropfplan ebenfalls eine gute Prognose.

Bei chirurgischer Versorgung mittels Bindehautschürze ist nach Abheilung eine Trübung infolge der Vernarbung im Bereich des ehemaligen Ulcus sichtbar. Dieser ist Folge des Heilungsprozesses und beeinträchtigt die Sehkraft in der Regel nicht.

Erfahrungsgemäß sind Katzen - anders als Hunde - oft weniger tolerant, was die Gabe von Augenmedikamenten betrifft. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, sollte sich die Anwendung der Medikamente schwierig gestalten. Ihr Tierarzt wird dann mit Ihnen Alternativen besprechen und ggf. den Therapieplan umstellen.

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