Katarakt = Grauer Star

Grauer Star vor der OP
Grauer Star nach der OP

Was ist eine Katarakt?

Als Katarakt oder auch „grauen Star“ bezeichnet man eine Eintrübung der Linse des Auges. Die Augenlinse hat die Aufgabe einfallendes Licht zu brechen und auf die Netzhaut (Retina) zu projizieren. Sie wirkt ähnlich einem einfachen Kameraobjektiv als sog. Sammellinse. Durch ihre konvexe (nach außen gewölbt) Form wird das Licht gebündelt, auf der Netzhaut scharf abgebildet und dort in bioelektrische Signale umgewandelt. Dank der Linse wird das scharfe Sehen erst möglich. Trübt sich die Linse ein, ist die Brechung des Lichtes nicht mehr möglich. Im Frühstadium ist die Sicht nur eingeschränkt, mit weiterem Fortschreiten der Erkrankung erblindet das Tier.

Wie entsteht eine Katarakt?

Die häufigste Form des grauen Stars ist die „primäre Katarakt“, d.h. eine alleinige Linsentrübung ohne sonstige Augenveränderungen oder systemische Grunderkrankung. Sie ist in der Regel erblich bedingt und tritt je nach Anlage bereits in jungen Jahren oder in späterem Alter auf. Einige Rassen sind besonders häufig betroffen: Boston Terrier, Golden und Labrador Retriever, Dackel, West Highland White Terrier, Sibirischer Husky, Rottweiler, Chesapeake Bay Retriever, Entlebucher Sennenhund, Afghane, American Cockerspaniel, Deutscher Schäferhund, Großpudel, Staffordshire Bullterrier und Zwergschnauzer – um nur einige zu nennen.

Neben der primären Form kann sich eine Katarakt auch sekundär entwickeln. Allem voran wird dies bei Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) beobachtet. Aber auch Entzündungen der inneren Augenstrukturen („Uveitis“) oder Erkrankungen der Retina können zu Erblindung führen. Traumatische Ursachen wie eine Blutung im Auge, eine Linsenluxation oder ein erhöhter Augeninnendruck („Grüner Star“) können ebenfalls eine Linseneintrübung zur Folge haben.

Ab wann ist mein Hund blind und wie kann dem „grauen Star“ vorgebeugt werden?

 

Da der graue Star in der der Regel erblich bedingt ist, kann nur im Rahmen der Zuchtoptimierung ein Risiko für eine Katarakt minimiert werden. Hierzu führen Züchter betroffener Hunderassen entsprechende Zuchtuntersuchungen durch.

Eine eingeschränkte Sehkraft tritt auf, wenn über 60 % der Linse opaque (undurchsichtig) sind. Ist nur ein Auge betroffen, sind meist noch keine Einschränkungen durch den Besitzer zu beobachten. Von einer Katarakt zu unterscheiden ist die altersbedingte Trübung des Linsenkerns („Nukleosklerose“), die in der Regel nicht mit einem Verlust der Sehkraft einhergeht.

Generell gilt, bei Trübung der Linse sollte der Hund frühzeitig einem Spezialisten vorgestellt werden. Der Ophthalmologe wird im Rahmen der Augenuntersuchung ein sog. Staging der Katarakt durchführen und mit Ihnen die weiterführende Therapie besprechen.

Wie kann eine Katarakt behandelt werden?

Es gibt keine konservative Therapie, um einen grauen Star zu behandeln. Je nach Ursache kann unter bestimmten Voraussetzungen eine chirurgische Therapie durch einen Augenspezialisten erfolgen. Es gibt verschiedene operative Maßnahmen, um das Sehvermögen wiederherzustellen. Heute wird bei den Tieren – wie in der Humanmedizin - die Technik der Phakoemulsifikation (Zerstörung des trüben Linsenmaterials mittels Ultraschall und anschließendes Absaugen der Trümmer) angewandt. Auch das Einsetzen einer Kunstlinse ist möglich. Vor einer OP muss unbedingt die Funktion der Retina überprüft und eine eingehende Augenuntersuchung durchgeführt werden. Je früher eine Katarakt erkannt und behandelt wird, desto besser die Prognose für die Sehkraft. Ihr Augenspezialist wird Sie diesbezüglich gerne beraten.

Wie meistere ich den Alltag mit einem erblindeten Hund?

Wenn keine Operation für Ihr Tier mehr in Frage kommt, kann der Hund auch mit einer eingeschränkten bzw. nicht mehr vorhandenen Sehkraft ein lebenswertes Leben führen. Wichtig hierfür ist ein gegenseitiges Vertrauen und gerade in der Anfangsphase ein regelmäßiges Training zum Schärfen der anderen Sinne. Es gibt im Internet und der Literatur viele Tipps zum Umgang mit einem blinden Hund. Hier eine kleine Übersicht:

o   Wichtige Orte wie Futter-/Schlafplatz mit milden Duftölen versehen, damit sich der Hund an den Düften orientieren kann.

o   Den Futter- und Schlafplatz nicht verlegen. Bei Desorientierung sollte der Hund immer zu seinem Platz begleitet werden.

o   Unnötige Hindernisse, wie Schuhe, Möbel oder Schulranzen aus dem Weg räumen.

o   An Familienmitgliedern und anderen Tieren im Haushalt ein Glöckchen befestigen, damit der Hund weiß, wo sich seine Familie bzw. sein Rudel gerade aufhält.

o   Der erblindete Hund sollte für verschiedene Situationen unterschiedliche Kommandos und Rufbefehle erhalten. So zum Beispiel beim Spazierengehen, die Begriffe rechts bzw. links und ein gleichzeitiges Klatschen auf die jeweilige Seite des Oberschenkels. Geben Sie die Kommandos mit ruhiger Stimme, damit sich der Hund nicht unnötig erschreckt!

o   Ein Zweithund kann dem blinden Hund eine große Unterstützung in alltäglichen Situationen oder bei der Orientierung auf einem Spaziergang sein.

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