Cushing-Syndrom beim Hund: Störung des Stresshormons rechtzeitig erkennen und frühzeitig behandeln

Ihr Hund zeigt plötzlich ungewöhnliches Verhalten, das Sie sich nicht erklären können? Er trinkt und frisst deutlich mehr als sonst, wirkt antriebslos und liegt apathisch in seinem Körbchen? Zudem leidet er unter starkem Haarausfall, Hautveränderungen und hechelt auffällig häufig? In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige über das Cushing-Syndrom – eine Erkrankung, die durch die Überproduktion des Stresshormons Cortisol ausgelöst wird. Wir erklären, welche Symptome typisch sind, wie Sie diese richtig einordnen und ab wann ein Besuch beim Tierarzt notwendig ist. Zu welchen Folgeerkrankungen ein unbehandeltes Cushing-Syndrom beim Hund führen kann und ab wann die Lebensqualität Ihres Hundes stark beeinträchtigt wird. – Damit Sie rechtzeitig handeln können, denn eine frühzeitige Diagnose kann die Prognose verbessern und eine gezielte Behandlung ermöglichen.  

Das Wichtigste kurz zusammengefasst

  • Das Cushing-Syndrom wird durch die Überproduktion des Hormons Cortisol ausgelöst.
  • Durch die übermäßige Ausschüttung des Hormons, können Symptome entstehen, die bei nicht Beachtung und Behandlung zu schweren Folgen führen können. 
  • Aufgrund einer genetischen Veranlagung sind Hunderassen wie Dackel, Pudel, Terrier, Beagle, Boxer und Schnauzer eher von der Krankheit betroffen
  • Die Symptomatiken können mithilfe der richtigen Medikation und einer frühzeitigen Erkennung gelindert werden.
  • Die Lebenserwartung ist situationsabhängig und kann je nach Einschränkung des Alltags oder durch den Eintritt von Folgeschäden variieren.

Was ist das Cushing-Syndrom?

Das Cushing-Syndrom gilt als hormonelle Störung, dabei wird das körpereigene Hormon Cortisol überproduziert. Das Hormon Cortisol ist auch als sogenanntes Stresshormon bekannt. Der Botenstoff ist Bestandteil an einer Vielzahl von Stoffwechselvorgängen im Körper. Zum einen fördert Cortisol die Produktion der Glukose in der Leber, beeinflusst den Blutdruck und ist für die Spaltung von Fetten unverzichtbar. 

Das Syndrom wurde nach dem amerikanischen Neurochirurgen und Entdecker dieser Krankheit benannt, Harvey Williams Cushing. 

Wie äußert sich das Cushing-Syndrom beim Hund?

Das Cushing-Syndrom macht sich durch eine Vielzahl an Symptomen bemerkbar, deren gleichzeitiges Auftreten die Diagnose erleichtert.

  • Unstillbarer Durst: Der Hund trinkt übermäßig viel – selbst bei kühler Witterung und ohne erkennbare Ursache.

  • Vermehrter Urinabsatz: Durch die gesteigerte Wasseraufnahme entsteht vermehrter Harndrang.

  • Gesteigerter Appetit: Betroffene Hunde wirken häufig unersättlich. Besonders in Kombination mit starkem Durst ein wichtiges Warnsignal.

  • Atemprobleme und Hecheln: Hecheln oder Kurzatmigkeit treten auch in Ruhephasen auf – ohne vorherige Anstrengung.

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit: Die Freude an Spaziergängen oder Spiel nimmt ab. Stattdessen liegt der Hund häufiger und wirkt apathisch.

  • Muskelschwäche: Im Verlauf der Erkrankung nimmt die Muskelmasse ab. In fortgeschrittenen Stadien kann Zittern hinzukommen.

  • Kugelbauch: Die typische, rundliche Bauchform entsteht durch eine veränderte Fettverteilung infolge des erhöhten Cortisolspiegels.

  • Haarausfall: Das Fell wird dünner und stumpf. Fellverlust tritt vermehrt außerhalb des normalen Fellwechsels auf.

  • Hautprobleme: Die Haut wirkt dünner, neigt zu Pigmentflecken und erschlafft. Durch die geschwächte Immunabwehr können Mitesser sowie entzündete oder eitrige Hautstellen entstehen.

  • Erhöhte Infektanfälligkeit: Aufgrund der Immunsuppression ist der Hund anfälliger für bakterielle und virale Infektionen.

Expertentipp vom Tierarzt: Die „5 P“ des Cushing-Syndroms erkennen

Ein bewährter Merksatz zur schnellen Einschätzung des Cushing-Syndroms bei Hunden ist die sogenannte 5P-Regel. Diese fünf Symptome treten besonders häufig auf und gelten als klare Indikatoren für die Erkrankung:

  • Polyurie: Eine vermehrte Urinausscheidung ist meist eines der ersten auffälligen Anzeichen.
  • Polydipsie: Der Flüssigkeitsverlust durch das viele Urinieren führt zu ausgeprägtem Durst.
  • Polyphagie: Viele betroffene Hunde zeigen eine ungewöhnlich starke Fresslust bis hin zur scheinbaren Unersättlichkeit.
  • Pot-Belly: Der typische Hängebauch entsteht durch eine Kombination aus Fettansammlung im Bauchraum und fortschreitendem Muskelschwund.
  • Panting: Betroffene Hunde hecheln vermehrt – selbst in Ruhe oder bei kühleren Temperaturen.

Treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf, sollte umgehend eine tierärztliche Abklärung erfolgen. Eine frühzeitige Diagnose kann entscheidend für den weiteren Verlauf und die Lebensqualität Ihres Hundes sein. Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie uns.

Welche Hunderassen sind besonders anfällig?

Aufgrund einer genetischen Veranlagung sind manche Hunderassen eher von dem Cushing-Syndrom betroffen als andere. Rassen wie Dackel, Pudel, Terrier, Beagle, Boxer und Schnauzer sind anfälliger für die Erkrankung. Die medizinische Ursache für die höhere Prävalenz dieser Rassen konnte bisher noch nicht ermittelt werden. 

Gestromter braun-weißer Hund, möglicherweise mit Cushing-Syndrom Hund, liegt ruhig auf dem Boden, Kopf ruht, schaut zur Seite.

Weitere Begünstigungen

Nicht nur die genetische Veranlagung ist ausschlaggebend für die Entwicklung des Cushing-Syndroms, sondern es konnten bereits weitere Faktoren ermittelt werden, die eine Erkrankung befördern. 

  • Alter: Es konnte festgestellt werden, dass Hunde, im mittleren und höheren Alter, in der Regel häufiger von einem Cushing-Syndrom betroffen sind. 
  • Größe: Die Überproduktion des Hormons Cortisol wird oft durch einen Tumor ausgelöst. Größere Hunderassen erkranken häufiger an einem Tumor, der Nebenrinde, welcher das Syndrom auslösen kann. Bei kleineren Hunderassen hingegen entsteht ein Tumor meist im Bereich der Hirnanhangdrüse, wodurch sie anfälliger für die Erkrankung des Morbus Cushing sind. 
  • Geschlecht: Erfahrungsgemäß sind Hündinnen eher von dem Syndrom betroffen. 
Lockiger Welpe mit Infusion auf der Decke beim Tierarzt; wachsam, wird wegen Cushing-Syndrom (Stresshormon-Störung) behandelt.

Wie testet man Cushing beim Hund?

Bei einem veränderten Verhalten Ihres Hundes, vor allem wenn die für das Cushing-Syndrom bekannten Symptome auftreten, sollten Sie zeitnah einen Termin bei Ihrem Tierarzt des Vertrauens vereinbaren.

Bei der Untersuchung des Hundes ist es wichtig, dem behandelnden Tierarzt mitteilen zu können, welche Symptome bereits wie lange vorherrschen. Diese Informationen helfen dabei zu ermitteln, ob es sich um das Cushing-Syndrom handelt. Je nach Symptomatik müssen zunächst eine Nierenerkrankung oder Diabetes mellitus ausgeschlossen werden, damit eine genaue Diagnose erstellt werden kann. 

Zunächst wird eine Urinprobe und eine Blutuntersuchung verordnet. Erfahrungsgemäß zeigen die Blutwerte bei einem Cushing-Syndrom eine erhöhte Konzentration alkalischer Phosphatasen, gesteigerte Cholesterinwerte und eine erhöhte Anzahl an Blutplättchen (Thrombozyten). 

Cushing-Syndrom beim Hund – Krankheitsverlauf

Die oben genannten Anzeichen wie vermehrter Durst, häufiges Wasserlassen und gesteigerte Futteraufnahme treten meist im Frühstadium des Cushing-Syndroms auf. Im weiteren Verlauf – vom mittleren bis zum fortgeschrittenen Stadium – zeigen sich zusätzliche Symptome wie Haarausfall, dünne und empfindliche Haut, Muskelschwäche, vermehrtes Hecheln sowie Hautveränderungen. Im Endstadium kann es zu ernsthaften Folgeerkrankungen kommen, darunter Diabetes mellitus, Harnwegsinfektionen und Bluthochdruck.

Sofern Sie eine Verhaltensänderung Ihres Vierbeiners feststellen, versuchen Sie Ruhe zu bewahren und das Verhalten zunächst weiter zu beobachten. Treten mehrere der genannten Symptomatiken gepaart bzw. in Kombination auf, ist es ratsam eine fachmännische Meinung einzuholen. So können Sie sichergehen, dass Ihr Hund die Hilfe bekommt, die er braucht – Ihre Tierklinik des Vertrauens ist für Sie da und berät Sie gerne! Hier gelangen Sie zur Terminvereinbarung.

Ist das Cushing-Syndrom beim Hund heilbar?

Auch wenn die vollständige Heilung des Syndroms nicht möglich ist, besteht die Möglichkeit, die Anzeichen unter bestimmten Voraussetzungen nahezu vollständig zu eliminieren. Wird das Cushing-Syndrom beispielsweise durch einen gutartigen Tumor verursacht, kann die richtige Medikation dafür sorgen, dass die Anzeichen bereits nach wenigen Tagen bis Wochen verschwinden. 

Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Cushing-Syndrom?

Mit der richtigen Medikation ist für ein beschwerdefreies und langes Leben des Hundes gesorgt. Je früher die Krankheit diagnostiziert wird, desto eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund die gleiche Lebenserwartung hat wie ein Hund ohne Vorerkrankungen

Jedoch ist zu bedenken, dass Folgeerkrankungen durch das Syndrom entstehen können. Dazu gehören unter anderem Infektionskrankheiten, Diabetes mellitus, Keimbefall oder eine Nierenerkrankung. 

Wann sollte man einen Hund mit Cushing-Syndrom einschläfern lassen?

Zu beachten ist, dass die Entscheidung einen Hund einschläfern zu lassen, immer nach persönlichem Ermessen und in Absprache mit einem Tierarzt erfolgen sollte. Jedoch kann die Berücksichtigung verschiedener Aspekte die Entscheidung beeinflussen. 

  • Lebensqualität: Bei Beeinträchtigungen durch eine Folgeerkrankung, wie Schmerzen beim Urinabsatz oder wiederkehrenden Infektionskrankheiten, kann die Lebensqualität eingeschränkt sein. Beurteilen Sie daher, ob der Zustand einer Besserung der Symptomatiken in Sicht ist. Ein Hundeleben ohne Lebensqualität und unter ständigen Schmerzen ist nicht erfüllend. 
  • Schweregrad der Symptomatik: Auch wenn keine Folgeerkrankungen eingetreten sind, besteht die Möglichkeit, dass der Hund unter den Symptomen leidet. Ein ständig anhaltender übermäßiger Durst oder Harndrang sowie Muskelschwäche oder Hautprobleme können den Hundealltag enorm belasten. 
  • Behandlungserfolg: Konnte durch die Verabreichung von Medikamenten keine Besserung erzielt werden, ist abzuwägen, inwieweit der Hund ein unbeschwertes Leben weiterführen kann. Bei dem Eintritt von Komplikationen oder weiter Veränderungen sollten Sie die Situation ebenfalls neu bewerten. 

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass jeder Hund individuell ist und Tiere, im besonderen Hunde, aufgrund ihres Instinktes dazu neigen, Schmerzen zu verbergen. Daher beobachten Sie die Situation und suchen Sie bei Ungewissheit einen Tierarzt auf. 

Fazit

Wenn Ihr Hund mehrere untypische Anzeichen zeigt, sollten Sie aufmerksam werden. Auch wenn nicht jedes Symptom direkt auf das Cushing-Syndrom hinweist, ist eine tierärztliche Abklärung unerlässlich. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser lassen sich die Beschwerden lindern und Folgeerkrankungen vermeiden. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl – bei auffälligen Veränderungen lohnt sich der Gang zum Tierarzt in jedem Fall. 

Das Futter sollte leicht verdauliche Proteine beinhalten und reich an Zink, Vitamin E, Biotin und Omega-3-Fettsäuren sein. 

Die Medikamente und die Dosierung orientieren sich an der Schwere der Erkrankung. In der Regel belaufen sich die Kosten für die Behandlung auf ca. 70 bis 120 € monatlich.

Neben den körperlichen Erkrankungen und Folgeerkrankungen können auch psychische Erkrankungen auftreten, wie Depressionen und Angstzustände. 

Autorin: Dr. Anne Tiede

Fachtierärztin für Kleintiere & Innere Medizin
Anne Tiede ist seit 2011 Teil des Teams der Tierklinik Rostock und übernahm 2013 die Verantwortung für den Bereich der Labormedizin. Nach ihrem Studium der Tiermedizin an der Freien Universität Berlin spezialisierte sie sich auf die Kleintiermedizin und ist heute Fachärztin mit Weiterbildungsermächtigung. In ihrem klinischen Alltag liegt ihr Fokus neben der Inneren Medizin vor allem auf der Labordiagnostik, Zytologie und Onkologie sowie der Transfusionsmedizin. Durch ihre langjährige Erfahrung in der Labormedizin kann Frau Tiede krankhafte Veränderungen frühzeitig erkennen und Therapieentscheidungen entscheidend unterstützen. Als Spezialistin für Zytologie trägt sie maßgeblich zur präzisen Differenzierung von Zellveränderungen bei, was insbesondere bei der Tumordiagnostik von großer Bedeutung ist. Auch in der Transfusionsmedizin sorgt sie mit großem Engagement dafür, dass für Bluttransfusionen jederzeit geeignete Spender zur Verfügung stehen – und somit lebensrettende Maßnahmen möglich sind.

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